In Süddeutschland setzte die Glasproduktion in den Waldgebieten ab dem 11. Jahrhundert ein.

Zur Produktion von Glas wurden Quarzsand, Holz als Energieträger und Pottasche, die durch Verbrennen vor allem von Laubholz gewonnen wurde, benötigt. Die Glasherstellung war extrem energieintensiv: die Herstellung von 1kg Glas erforderte ca. 1 Raummeter Holz. Innerhalb eines Jahres verbrauchte eine Glashütte rund 20 bis 30ha Wald.

Lange Zeit war Glas ein Luxusartikel, der sich vor allem in reicheren Haushalten fand. Erst mit der Zeit wurden Glasgefäße Bestandteile auch einfacherer Haushalte. Neben Gefäßen wurden in einer Glashütte auch flache Scheiben für Fensterglas hergestellt. Fensterverglasungen finden sich zunächst vor allem an Sakralbauten. Ab dem 14. Jahrhundert wurden auch die Fenster von Bürgerhäusern in Form von Butzenscheiben verglast.


Glashütte im Waldfensterer Forst

Ende der 1940er Jahre wurden durch den Platzer Lehrer Wilhelm Blümel im Waldfensterer Forst die Reste einer mittelalterlichen Glashütte entdeckt. Deren Standort liegt im Bereich der einstigen Bergwiese Rück, die sich auf einer Terrasse oberhalb eines kleinen Seitentals der Aschach erstreckte und heute bewaldet ist. Das Areal wird durchzogen von einem kleinen Rinnsaal, das zeitweise trocken fällt und in den Nebenarm der Aschach mündet. Von der ehemaligen Glashütte ist im Gelände nichts mehr erkennbar. Eine Deponie mit Glasfragmenten und Glasschlacken rund 250m westlich des Hüttenstandortes, die sich als flache Erhebungen in der Reußenwiese ablesen lassen, gehört zu der Anlage. Die vormalige Glashütte lag damals wie heute mitten im Wald, der für energie- und rohstoffintensive Gewerbe wie die Glasherstellung die benötigten Voraussetzungen bot. Die Nutzung des Umgriffs der Glashütte als Bergwiese - was sich aus der Uraufnahme aus der Zeit um 1850 ablesen lässt - stellte sich erst in der frühen Neuzeit ein.

Abb. 1 + 2: Lage der Glashütte im Waldfensterer Forst, dargestellt als Bodendenkmal (rot hinterlegt) mit der Uraufnahme (1808 – 1864) und einem aktuelle Luftbild Hintergrund. Quelle: BayernAtlas, online, Copyright: Bayerische Vermessungsverwaltung

Genehmigung Text und Fotos: Dr.-Ing. Thomas Büttner  I  Büro für Heimatkunde & Kulturlandschaftspflege  I  Eichkopfweg 26  I  34326 Morschen

Autoren: Andrea Lorenz, Karl Floth u. Thomas Büttner.